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#7

SA, 9. APRIL 2016, 20.30 - 23:00H

GARE DU NORD

 

ÉLIANE RADIGUE

 

Carol Robinson, Bassklarinette & Diffusion

Louis-Michel Marion, Kontrabass

 

 

OCCAM OCEAN, les graves

                                                   

OCCAM XVI (2014)

Für Bassklarinette                              23’

                                                   

OCCAM XIX (2014)

Für Kontrabass

                                                   

OCCAM River VIII (2014)

Für Bassklarinette & Kontrabass       26’  

 


____________  PAUSE ca 15' _____________

 

 

L’ÎLE RE-SONANTE (2000)

Elektronik                                           52’

 

 

 

 

 

Éliane Radigues (*1932) musikalisches Schaffen begann in den 1950er Jahren, die ersten Veröffentlichungen erschienen gegen Ende der 1960er Jahre. Als Klavierstudentin hatte sie bereits erste Erfahrungen mit Komposition, bevor sie Pierre Schaeffer Anfang der 1950er Jahre begegnete. Zuerst studierte sie sporadisch, 1957 - 58 dann intensiver bei Pierre Schaeffer und Pierre Henry am Studio d'Essai des RTF in Paris und lernte dort elektroakustische Komposition. Zu Beginn der 1960er Jahre war sie Assistentin von Pierre Schaeffer und entwarf zu dieser Zeit einige der Sounds, die in Schaeffers Werk Verwendung fanden, 1967 - 68 war sie Assistentin von Pierre Henry im Studio Apsome. Mit der Zeit löste sie sich von Schaeffer und Henry, die ihre Verwendung von Mikrofonrückkopplungen und Tapeloops kritisierten.

 

Anfang der 1970er Jahre teilte sie sich gemeinsam mit Laurie Spiegel an der New York University ein Studio mit einem Buchla Synthesizer, den Morton Subotnick dort eingerichtet hatte. Zu dieser Zeit fühlte sie sich den New Yorker Minimalisten bereits näher als der Musique concrète Pierre Schaeffers und Pierre Henrys. Mitte der 1970er Jahre konvertierte sie (nach der Aufführung von Adnos I) zum tibetischen Buddhismus und lernte beim 10. Pawo Rinpoche, der sie immer wieder zu ihrer eigentlichen Arbeit motivierte. Nach drei Jahren intensiver Praxis begann sie mit Adnos II, das 1979 fertiggestellt wurde (Adnos III dann 1980).

 

Ihre Serie um den Patriarchen Milarepa (seit Anfang der 1980er) wurde durch Kompositionsstipendien des französischen Kultusministeriums finanziert. Seit Beginn der 1990er Jahre beschäftigte sich Radigue bis 1998 mit der dreistündigen Trilogie de la Mort, die im Andenken an ihren Sohn Yves Armand (1954–1989) und ihren Lehrer Pawlo Rinpoche Tsuglag Mawey Wangchuk (1912–1991) entstand. Der erste Teil erschien auf Phill Niblocks Label XI Records.

 

Seit dem Jahrhundertwechsel arbeitete Radigue hauptsächlich an Kompositionen für Interpreten akustischer (oder halbakustischer) Instrumente. Ihr erstes Werk Elemental II wurde vom Bassisten Kasper T. Toeplitz in Auftrag gegeben und von diesem auf dem von ihm selbst entwickelten BassComputer aufgeführt. Später wurde es auch von der Laptop - Improvisationsgruppe The Lappetites aufgeführt, bei der sie selbst anfänglich mitwirkte. 2006 erhielt Éliane Radigue beim Festival Ars Electronica in Linz die Goldene Nica in der Kategorie Digital Musics für ihr letztes elektronisches Stück L’îIe re-sonante (2000). Danach erarbeitete sie mit dem amerikanischen Cellisten Charles Curtis Naldjorlak I, dann mit den Bassetthornisten Carole Robinson und Bruno Martinez Naldjorlak II und schließlich im Ensemble Naldjorlak III; die Aufführung der kompletten Trilogie erfolgte 2009. Im Juni 2011 wurde die Komposition für Soloharfe Occam I uraufgeführt, die für den Harfisten Rhodri Davies geschrieben wurde.

 

Ihr musikalisches Schaffen kann als langsam und sorgfältig bezeichnet werden, im Durchschnitt veröffentlichte Éliane Radigue alle drei Jahre ein größeres Werk. Für ihre elektronischen Kompositionen arbeitet sie ausschliesslich mit einem ARP 2500 Modularsystem und Bandmaschinen. Der ARP Synthesizer wurde zu ihrem Markenzeichen, wobei insbesondere ihre „sensitive und gesprenkelte reine“ Klangflächengestaltung Anerkennung fand. Trilogie de la Mort ist zu weiten Teilen als Grundton- (bzw. Grundklang-) bearbeitung von singulären Schwingungen in außerordentlich langsamen Schwingungsbereichen zu hören, Resonanzen werden durchgehend niedrig gehalten. Die tonhaften Qualitäten der durchweg de- oder unfrakturierten Frequenzen stehen dabei gegenüber den geräuschhaften Frequenzanteilen im Vordergrund. Die so geschaffene Textur wird durch eine gleichmäßig wiederholte Folge von einzelnen Anschlägen einer Klangschale kontrastiert. Mit konsequentem Athematizismus und affirmativer Derythmisierung rückt ihre Musik in die Nähe der Punktuellen Musik. Für Vice Versa, etc.… (2009) gibt Éliane Radigue als Längenangabe „ad libitum“ an – die Stücke sollen gegebenenfalls auf zwei Abspielgeräten gleichzeitig gehört werden.