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#2

In Kooperation mit

 

 

SA, 31. OKTOBER 2015, 20.15H

GROSSER SAAL MUSIK AKADEMIE BASEL 

 

BAADER-NOBS / EICHENWALD / SUTER / WILDBERGER

 

Sopran, Mezzosopran, Tenor, Bariton: Studierende der Hochschule für Musik Basel

Mirka Šcepanovic, Violine | Matthias Würsch, Cimbalom

Ensemble Diagonal für zeitgenössische Musik der Hochschule für Musik Basel

Jürg Henneberger, Leitung

 

 

Programm

 

Robert Suter (1919-2008): «Darf ich bitten?» für Flöte, Klarinette, Harfe und Streichquartett (1995) – 7'

 

Philipp Eichenwald (1915-2001): «cantata mediterranea» nach Texten von Giuntino Lanfredi, Louize Labé, Gutierre de Cetina, Sulpicius Lupercus Servasius junior, Joachim du Bellay, Francesco Petrarca und Gregorio Silvestre für 4 Vokalisten und 12 Instrumente (1964) – 25'

  • Präludium

  • Sonett I

  • Interludium I

  • Sonett II

  • Interludium II

  • Sonett II

  • Interludium III

  • Sonett III

  • Tropus (Quartett)

  • Postludium

 

Jacques Wildberger (1922-2006): «Elegie» nach einem Gedicht von Friedrich Hölderlin für Sopran und Kammerensemble (1994/95) – 7'

 

Heidi Baader-Nobs (*1940): «Escapade II» für Violine solo und Ensemble (2009, rev. 2013, UA der Neufassung) – 12'

 

Philipp Eichenwald: «Epilog» für Frauenstimme, Glasharmonika und Schlaginstrumente (1998) – 7'

 

 

Zum 100. Geburtstag von Philipp Eichenwald veranstaltet die IGNM Basel in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Basel ein Konzert mit Werken des selten gespielten Basler Komponisten. Seine «cantata mediterranea» galt zu ihrer Entstehungszeit als unaufführbar. Das Werk wurde erst 1995 von Jürg Henneberger in eine spielbare Fassung transkribiert und in einem Konzert der Kammerkunst Basel unter seiner Leitung uraufgeführt. Der äusserst zarte und introvertierte «Epilog» auf einen eigenen Text ist Eichenwalds letztes Werk. Umrahmt und ergänzt wird das Programm mit Kompositionen aus seinem Freundeskreis. Die zwei Basler Komponisten Jacques Wildberger und Robert Suter waren ihm freundschaftlich verbunden. Alle drei haben an der Musik-Akademie Basel unterrichtet. Die Basler Komponistin Heidi Baader-Nobs hat bei Suter und Wildberger studiert. Ihre Komposition «Escapade II» ist im Auftrag des Basler Geigers Egidius Streiff entstanden und wurde für dieses Konzert von der Komponistin umgearbeitet. Die serbische Geigerin Mirka Šcepanovic, die an der Hochschule für Musik Basel studiert hat, wird zusammen mit Studierenden diese Neufassung uraufführen.

 

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Eintritt

CHF 30.- normal

CHF 20.- ermässigt AHV/IV sowie Auszubildende und Studierende

Mitglieder der ignm Basel mit Ausweis frei.

Studierende und Dozierende der Musik Akademie Basel mit Ausweis frei.

Vorverkauf und Reservation Bider & Tanner, Ihr Kulturhaus in Basel

Tel. +41 (0)61 206 99 96 oder E-Mail: ticket@biderundtanner.ch

Philipp Eichenwald

Der Basler Komponist Philipp Eichenwald, am 31. August 1915 in Escholzmatt geboren, war Schüler von Felix Weingartner und Hans Münch und wirkte zunächst als Korrepetitor und Kapellmeister an den Theatern von Biel und Basel. Von 1965 bis 1980 war er an der Musikakademie der Stadt Basel als Lehrer für theoretische Fächer tätig. Zu komponieren begonnen hat er in den fünfziger Jahren; in langsamer, aber steter Arbeit ist eine Reihe sehr eigener Stücke herangewachsen, hauptsächlich Kammermusik, aber auch Orchesterwerke. Ursprünglich ein Verfechter der Zwölftonmusik, hat sich Eichenwald später der Aleatorik geöffnet. Am 31. Dezember 2001 ist Philipp Eichenwald in Basel gestorben.

 

Heidi Baader-Nobs

Heidi Nobs wurde am 5. Dezember 1940 in Delémont geboren. Sie wurde an der Ecole Normale in Delémont zur Lehrerin ausgebildet, dabei erhielt sie ihren ersten Klavier- und Geigenunterricht. Anschliessend begann sie ein berufsbegleitendes Geigenstudium an der Musik-Akademie Basel bei Rodolfo Felicani. Wegen einer chronischen Entzündung des rechten Arms musste sie das Geigenspiel aufgeben, daher konzentrierte sie sich auf das Kompositionsstudium bei Robert Suter und Jacques Wildberger. Mit ihrem Lehrer und Förderer Jacques Wildberger blieb sie bis zu seinem Tod in enger Freundschaft verbunden.

«Wenn man das Glück hatte, zu den Menschen zu gehören, die Jacques Wildberger geschätzt und gemocht hat, konnte man seine volle Unterstützung, seine grenzenlose Hilfsbereitschaft und seine unbedingte Freundschaft erleben, und das lebenslänglich. Ohne seine Anregungen hätte ich wahrscheinlich nicht versucht, selbst zu komponieren.»

Zwischen 1966 und 1970 entstanden serielle Werke, die sie im Rückblick als ‘epigonal’ kritisiert: Man kann nicht nach einem vorgegebenen Rezept komponieren.

Nach der Heirat mit Claudius Baader und der Geburt ihrer Kinder Manon (1971), Manuel (1973) und Sébastien (1978) reduzierte sie ihre kompositorische Tätigkeit schrittweise, um sich ganz der Familie zu widmen: Die Kinder sind meine besten Werke.

Nach einem mehrjährigen Unterbruch gibt sie 1980 dem hartnäckigen Drängen ihrer Freunde nach und beginnt wieder zu komponieren. Mehrere Werke entstehen auf Wunsch von Interpreten. Sie distanziert sich vom seriellen System und entwickelt eine sehr persönliche Musiksprache. Ihre Werke werden vor allem durch die graphische Form bestimmt, es sind akustische Verwirklichungen graphischer Vorstellungen.

 

Robert Suter

Geboren 1919 in St. Gallen. Musikstudium am Konservatorium Basel mit Abschluss als Theorielehrer 1943 (Lehrer: Paul Baumgartner, Klavier; Gustav Güldenstein, Walter Müller v. Kulm und Ernst Mohr, Theorie; Walther Geiser, Komposition). Weitere Studien anlässlich der Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik bei Wolfgang Fortner und Ernst Krenek sowie als Schüler von Wladimir Vogel in den früher Fünfzigerjahren. 1945-50 Theorielehrer am Konservatorium für Musik in Bern. Seither hauptamtliche Lehrtätigkeit an der Berufsabteilung der Musikakademie der Stadt Basel in den Fächern Komposition, Analyse, Kontrapunkt, Harmonielehre und Improvisation bis zur Pensionierung im Herbst 1984. 1954-64 Präsident der Ortsgruppe Basel der IGNM. Während mehrerer Jahre freier Mitarbeiter von Radio Basel als Musikredaktor des "Montagsstudio". Gelegentliche publizistische Tätigkeit. Aktivität als Amateurjazzmusiker während Jahrzehnten. 2008 in Basel gestorben.

 

Jacques Wildberger

Geboren 1922 in Basel. Musikalische Ausbildung am Basler Konservatorium, anschliessend Kompositionsstudien bei Wladimir Vogel. 1959-66 Dozent an der Badischen Hochschule für Musik in Karlsruhe (Komposition, Analyse und Instrumentation), 1967 Aufenthalt in Berlin als Stipendiat des DAAD, dann bis Herbst 1987 Lehrer für Komposition, Satzlehre, Analyse und Instrumentation an der Berufsabteilung der Musik-Akademie der Stadt Basel. Lebt in Riehen bei Basel.1960 Preis des Lions Club Basel, 1965 Stereo-Preis der deutschen Rundfunkindustrie, 1981 Komponistenpreis des Schweizerischen Tonkünstlervereins, 1987 Kulturpreis der Gemeinde Riehen. 2006 in Basel gestorben.

 

 

Mirka Šcepanovic

Die serbische Geigerin Mirka Šcepanovic wurde 1981 in Belgrad (Serbien) geboren. Sie spielt Geige, seit sie 8 Jahre alt ist. Ihr künstlerisches Aufbaustudium führte sie nach Madrid an die Escuela Superior de musica Reina Sofia, so sie mit Rainer Schmidt vom Hagen Quartett arbeitete.

Wichtige künstlerische Impulse erhielt sie bei Meisterkursen von Kolja Blacher, Gyorgy Pauk, Mauricio Fuks, Walter Levin, Ralf Gothoni, Günter Pichler und Menahem Pressler. Sie studierte weiter bei Rainer Schmidt in Basel, wo sie zur Zeit lebt und ihr Studium der zeitgenössischen Musik abschliesst. Als Kammer- und Orchestermusikerin hat sie bereits in den meisten Ländern Europas konzertiert.

Als Kammermusikpartnerin spielt Sie als Trioformation Violine und Viola mit Stojan Krkuleski, Klarinette und Elena Petrova, Klavier.

 

Matthias Würsch

Der Schlagzeuger, Zymbalist und Glasharmonikaspieler Matthias Würsch schloss seine Studien an der Musikakademie Basel mit dem Solistendiplom ab und bildete sich bei Jean-Pierre Drouet in Paris weiter. Er gastiert regelmässig bei Ensembles für zeitgenössische Musik, wie z.B. dem «Ensemble Modern», «Ensemble Contrechamps» oder dem «Chamber Orchestra of Europe». Er ist festes Mitglied der Gruppe «The B.E.A.M.» und freies Mitglied im «Ensemble Phoenix Basel» und «Concertino Basel».

Als Solist tritt er in zahlreichen Festivals, in Rundfunk und Fernsehen im In- und Ausland auf. Sein besonderes Interesse für die Glasharmonika und das ungarische Zymbalon lässt ihn mit zahlreichen internationalen Orchestern wie dem «Orchestre National de France», «NDR-Rundfunkorchester», «Tonhalleorchester Zürich», «Bayerischen Rundfunk», «Orchestre de Paris» und vielen anderen unter Dirigenten wie Sylvain Cambreling, Michael Gielen, Lorin Maazel, Semyon Bychkow oder Charles Dutoit zusammenarbeiten. Matthias Würsch ist Solist zahlreicher Uraufführungen von Heinz Holliger, Vinko Globokar, Henry Dutilleux und anderen. Neben seiner Konzerttätigkeit widmet sich Matthias Würsch auch intensiv theatralischen und sprachakrobatischen Ausdrucksmöglichkeiten.

 

Jürg Henneberger

Der Dirigent und Pianist Jürg Henneberger, geboren 1957 in Luzern, studierte in Basel bei Jürg Wyttenbach und an der Hamburger Hochschule für Musik und Darstellende Kunst bei Klauspeter Seibel und Christoph von Dohnànyi.

Sehr bald machte er sich als Spezialist für Neue Musik einen Namen, was ihm Engagements bei den führenden Ensembles dieser Sparte eintrug. Die Gründung eines eigenen Ensembles, des «Ensemble Phoenix Basel», das er seit 1998 leitet, war letztlich die Konsequenz daraus, um mit ausgesuchten Musikern eigene Ideen adäquat umzusetzen.

Daneben ist Jürg Henneberger ein weithin gefragter künstlerischer Leiter grosser Opernproduktionen des mehrheitlich zeitgenössischen Repertoires. Hervorzuheben sind hier die Einstudierungen am Theater Basel «Aus Deutschland» von Mauricio Kagel und «Satyricon» von Bruno Maderna sowie die Produktionen unter der Regie von Christoph Marthaler «The Unanswered Question» (eingeladen zum Theatertreffen Berlin 1998) und «20th Century Blues» und die Schweizer Erstaufführung der Oper «Die Soldaten» von Bernd Alois Zimmermann. Am Staatstheater Hannover leitete er 2002 Alban Bergs «Lulu».

Weitere wichtige Produktionen waren «in vain» (2003) sowie «Nacht» (2011) von Georg Friedrich Haas und «Unsichtbar Land» (2006) sowie «Gunten» (2008) von Helmut Oehring.

Von 1998 bis 2014 war Jürg Henneberger Präsident der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) Basel. Von 1993 bis 2003 leitete er das «ensemble für neue musik zürich». Als Pianist tritt er insbesondere als Liedbegleiter und Kammermusiker auf.

Jürg Henneberger ist seit 1989 Dozent für Partiturspiel, Kammermusik und Interpretation Zeitgenössischer Musik sowie Leiter des «Ensemble Diagonal» an der Hochschule für Musik Basel. Seit 2009 ist er Professor und gemeinsam mit Mike Svoboda und Marcus Weiss künstlerischer Leiter des neu gegründeten Studiengangs «Master of Arts in Spezialisierter Musikalischer Performance Zeitgenössische Musik».