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CASPAR JOHANNES WALTER

Caspar Johannes Walter, geb. 1964 in Frankfurt/Main, hatte Kompositionsunterricht bei V. D. Kirchner (Wiesbaden), J. Fritsch und C. Barlow (Musikhochschule Köln, 1985-90).

Er erhielt bedeutende Preise, darunter 1. Preise im Bereich Orchesterkomposition (Irinoprize, Japan 1992; Wien Modern, 1995) und Ensemblemusik (Stuttgart, 1991) sowie Auszeichnungen wie das Stipendium Villa Massimo Rom und zuletzt 2000 den Förderpreis für Musik der Akademie der Künste Berlin. Die vom Deutschen Musikrat bei Wergo herausgegebene Portrait-CD mit Kammermusik von Caspar Johannes Walter erhielt 1998 den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Sein Interesse als Interpret - er ist Cellist in dem 1991 von ihm mitbegründeten Thürmchen Ensemble - gilt vor allem jüngeren Komponistinnen und Komponisten aus den Bereichen der experimentellen Musik und des Musiktheaters.

2002/2003 war Caspar Johannes Walter composer in residence und Kompositionslehrer an der University of Birmingham, von 2006 bis 22013 war er Professor für Komposition an der Musikhochschule Stuttgart und seit 2013 ist er in gleicher Funktion an der Musik Akademie Basel tätig. Seit 2014 ist er Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Dort betreut er zur Zeit das Projekt „Labor Beethoven 2020“, das als Reflex auf Beethovens „laboratorium artificiosum“ den Blick auf die junge Komponistengeneration und die Zukunft des Komponierens aus dem revolutionären Geist der Erneuerung musikimmanenter Ideen richtet.

 

Im Alter von 18 Jahren hat Caspar Johannes Walter 1982 für sich die Welt der Mikrotonalität als zentrales Thema der künstlerischen Arbeit entdeckt. Auslöser dafür waren die Lektüre von Partchs Genesis of a Music und ein Konzert mit einem vierteltönigen Streichquartett von Ivan Wyschnegradsky. Konstruktion und Bau von Instrumenten, das Ineinanderfließen der Parameter in der Mikrotonalität, Glissando und Geometrie, komponierte Differenztöne und Schwebungen, die Bedeutung kleinster Tonschritte für die Harmonie, die Symmetrie des harmonischen Raums in ober- und untertönigen Tonbeziehungen, Verwendung von Skordaturen, weit entwickelter Flageolett- und Mehrklangstechniken, Kompositionen in reingestimmten, mikrotonal temperierten und mitteltönigen Tonsystemen und Übertragungen mikrotonaler Ideen auf die Zeitebene im Konzept der rhythmischen und metrischen Dissonanz haben seine kompositorische Arbeit über die Jahrzehnte geprägt. Seit einiger Zeit forscht Caspar Johannes Walter über Fragen der Mikrotonalität. Aus der bis 1994 zurückreichenden kompositorischen Verwendung von Streichermultiphonics hat sich ein erstes größeres Forschungsprojekt entwickelt: das zahlentheoretische Verständnis der Flageolettmehrklänge auf klingenden Saiten, präsentiert auf dem von ihm geleiteten Kongress Mikrotonalität, Praxis und Utopie, Stuttgart 2011. 

Mit dem Wechsel nach Basel hat sich das Engagement in der Forschung noch verstärkt. Als Mitinitiator des Bern-Basler Netzwerks Mikrotonal liegt Harry Partch im Fokus seines Interesses. Persönlich forscht er über die aus dem Vergleich verschiedener Tonsysteme gewonnenen Kriterien für eine harmonische Theorie im freien mikrotonalen Raum. Als Betreuer des Forschungsprojektes Studio 31 (Forschungsabteilung Basel) gehört außerdem die erweiterte Enharmonik des 16. Jahrhunderts zu seinen Spezialgebieten.

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© Geeon Zörner